Die Frage, ob Frauen bei Grand-Slam-Turnieren künftig im Modus „Best of Five“ antreten sollten, ist im Profizirkus erneut aufgekommen. Ausgelöst wurde die Diskussion diesmal nicht durch eine isolierte Kontroverse, sondern durch überlegte Aussagen zweier führender Persönlichkeiten des aktuellen Damentennis: Iga Swiatek und Coco Gauff.
Sollten Frauen über fünf Sätze spielen? Swiatek und Gauff entfachen eine historische Debatte im Tennis neu

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Während des Qatar Open in Doha äußerten sich beide Spielerinnen im Kontext jüngster Gespräche über mögliche Formatänderungen bei den Majors – insbesondere nach Diskussionen rund um die Struktur der Australian Open. Ihre Wortmeldungen verliehen einer jahrzehntealten Debatte neue Aktualität.
Auf den ersten Blick scheint die Frage einfach: Sollten Frauen bei Grand Slams wie die Männer über fünf Sätze spielen? Doch wie Swiatek und Gauff betonten, ist die Antwort weit komplexer.
Was Swiatek und Gauff tatsächlich sagten
Swiatek, die in den vergangenen Jahren mehrfach die Weltrangliste anführte, machte deutlich, dass das Thema nicht allein unter dem Gesichtspunkt symbolischer Gleichberechtigung betrachtet werden dürfe. Der WTA-Kalender sei bereits extrem dicht und körperlich anspruchsvoll. Eine strukturelle Änderung würde erhebliche Auswirkungen auf Regeneration, Saisonplanung und Trainingsrhythmus haben.
Sie schloss eine Reform nicht kategorisch aus, unterstrich jedoch, dass jede Anpassung sorgfältig im Gesamtzusammenhang des Tourkalenders analysiert werden müsse.
Gauff zeigte sich dem Konzept gegenüber etwas offener, allerdings ebenfalls differenziert. Die US-Amerikanerin räumte ein, dass viele Spielerinnen physisch in der Lage wären, fünf Sätze zu absolvieren – insbesondere in späteren Turnierphasen. Gleichzeitig betonte sie, dass die Diskussion nicht nur die Weltspitze betreffen dürfe, sondern das gesamte Feld berücksichtigen müsse.
Mit anderen Worten: Es geht nicht nur um Leistungsfähigkeit, sondern um strukturelle Rahmenbedingungen.
Eine zyklisch wiederkehrende Diskussion
Seit Beginn der Open Era spielen Männer bei Grand Slams über fünf Sätze, Frauen über drei. Diese Unterscheidung wurde im Laufe der Jahre immer wieder hinterfragt.
Befürworter einer Angleichung argumentieren unter anderem:
- Gleiche Wettbewerbsbedingungen bei den bedeutendsten Turnieren
- Mehr dramatische Wendungen in Finals
- Konsistenz mit der vollständigen Professionalisierung des Frauensports
Kritiker verweisen hingegen auf:
- Den bereits stark belastenden WTA-Kalender
- Erhöhtes Verletzungsrisiko
- Organisatorische und logistische Herausforderungen
Mit der stetig steigenden Athletik im Damentennis ist das Argument der körperlichen „Unfähigkeit“ inzwischen weitgehend entkräftet. Heute steht vielmehr die Frage der Nachhaltigkeit im Mittelpunkt.
Welche Veränderungen wären notwendig?
Eine Umstellung auf fünf Sätze wäre keine bloße Verlängerung der Spielzeit. Sie würde umfassende Anpassungen erfordern:
- Neu strukturierte Pausentage
- Anpassungen im TV-Programm
- Überarbeitung des Jahreskalenders
- Veränderung der Trainings- und Regenerationsmodelle
Darüber hinaus könnte sich die taktische Dynamik verändern. Das moderne Damentennis zeichnet sich durch hohe Intensität und geringe Fehlermargen aus. Längere Matches könnten Spielerinnen mit außergewöhnlicher Ausdauer begünstigen und langfristig die Profiltypen erfolgreicher Athletinnen verändern.
Swiatek und Gauff näherten sich dem Thema ohne Konfrontation. Beide betonten, dass es sich um eine kollektive Entscheidung handeln müsse, die das gesamte Ökosystem des Sports berücksichtigt.
Mehr als nur symbolische Gleichstellung
Bemerkenswert ist, dass keine der beiden Spielerinnen eine vereinfachte Gleichheitsargumentation wählte. Weder ein automatisches „Ja“ noch ein kategorisches „Nein“ stand im Mittelpunkt. Stattdessen lag der Fokus auf realistischen Konsequenzen.
In einer Zeit, in der sich Tennis organisatorisch weiterentwickelt – von Preisgeldgleichheit bis hin zu strukturellen Reformen –, wird die Frage nach dem Format zwangsläufig wieder aufkommen. Doch wie Swiatek andeutete, darf eine Entscheidung nicht allein durch öffentliche Erwartungen getrieben sein.
Eine offene Zukunftsfrage
Aktuell sind keine unmittelbaren Änderungen am Grand-Slam-Format geplant. Dennoch zeigt die Tatsache, dass führende Spielerinnen öffentlich Stellung beziehen, dass die Diskussion lebendig ist.
Wenn Athletinnen von Swiateks und Gauffs Bedeutung solche strukturellen Themen ansprechen, wird aus einer theoretischen Debatte eine reale Zukunftsfrage. Die Überlegung, Frauen künftig über fünf Sätze spielen zu lassen, ist kein Tabu mehr – sondern eine mögliche Option, die sorgfältig geprüft werden muss.
Im modernen Tennis, in dem jede Reform globale Auswirkungen hat, lautet die entscheidende Frage daher nicht mehr, ob Frauen fünf Sätze spielen können – sondern unter welchen Bedingungen es sinnvoll wäre, diesen Schritt zu gehen.
